Auswirkungen
der Höhe auf den Organismus
Der Sauerstoffmangel macht sich ab etwa 3000 m bemerkbar
und ruft vielfältige und z.T. sehr komplexe
Reaktionen des Körpers hervor. Die normale
Anpassung an größere Höhen erfolgt
anfangs vor allem durch stark erhöhte und vertiefte
Atmung, so daß mehr Sauerstoff aufgenommen
werden kann. Eine vergrößerte Pumpleistung
des Herzens (Erhöhung von Puls und Schlagvolumen)
trägt zu einem geringeren Teil dazu bei. Der
Anstieg der roten Blutkörperchen mit Erhöhung
der Sauerstofftransportfähigkeit erfolgt später
nach einigen Tagen. Wichtig sind zusätzlich
noch eine verbesserte Sauerstoffausschöpfung
in den Zellen und weitere komplizierte Regulationsvorgänge.
Die Herzfunktion selbst wird durch die Höhe
nicht negativ beeinflußt und ein Tod durch
Herzinfarkt in größerer Höhe scheint
sehr selten zu sein). Durch die reaktive Vermehrung
der roten Blutkörperchen in der Höhe und
durch die vermehrten Flüssigkeitsverluste bei
der verstärkten Atmung kann es zu einer Eindickung
und Verlangsamung des Blutes und daher zu Lebensgefahr
durch Bildung von Blutgerinnseln kommen, wenn nicht
genügende Flüssigkeitsmengen zugeführt
werden. Diese Bluteindickung bewirkt auch eine Mehrbelastung
für Herz und Kreislauf sowie eine schlechtere
Durchblutung der Extremitäten mit erhöhter
Erfrierungsgefahr. Auffällig ist, daß
bei Expeditionen und abgeschwächt auch bei
längeren Trekkingtouren normalerweise ein deutlicher
Gewichtsverlust beobachtet wird. Dabei kommt es
trotz der dauernden Beanspruchung auch zu einer
Abnahme des Oberschenkelumfanges. Die Ursache ist
eine indirekt durch die Höhe bedingte Muskelreduzierung,
d.h. es findet ein etwa 10%-iger Verlust an Muskelmasse,
eine Abnahme der Faserzahl und eine Verminde rung
von wichtigen Zellorganen statt. Da das Kapillarsystem
aber durch die Höhe nicht in Mitleidenschaft
gezogen wird, resultiert daraus eine relative Dichteerhöhung
der Blutgefäße mit verbesserter Sauerstoffversorgung
des Muskelgewebes.
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Flüssigkeitsbaedarf
in großen Höhen
Der Wasserhaushalt spielt beim Höhenbergsteigen
wie auch beim Trekking eine ganz entscheidende Rolle.
Der tägliche Wasserbedarf des Menschen beträgt
normalerweise 2,5 Liter, in sehr großer Höhe
kann dieser Wert jedoch auf fünf bis acht Liter
ansteigen! Dies kommt durch vermehrtes Schwitzen
und vor allem durch die stark gesteigerte Atemtätigkeit
zustande. Beim notwendigen Befeuchten der meist
sehr kalten und trockenen Atemluft in großer
Höhe verliert der Körper viel Flüssigkeit
durch den in der Lunge gebildeten und bei der Ausatmung
verlorengehenden Wasserdampf. Die Urinmenge als
einfachste Kontrolle der Flüssigkeitszufuhr
sollte mindestens 1 Liter pro Tag betragen. Normal
sind 1,5 Liter Ausscheidung und mehr, während
0,5 Liter schon ein Alarmzeichen bedeuten. Umgekehrt
gilt ein vermehrtes Wasserlassen (meist auch während
der Nacht) als Hinweis für eine gute Höhenanpassung.
Die tägliche Urinmenge läßt sich
z.B. durch Sekundenzählen abschätzen oder
am einfachsten durch Zählen des Wasserlassens
pro Tag. Wenn die Urinproduktion in der Phase der
Höhenanpassung hoch ist, werden sich voraussichtlich
keine akuten Höhenkrankheiten entwickeln. Zu
geringe Mengen von meist dunkelgelbem, d.h. zu konzentriertem
Urin weisen auf zu wenig Trinken und gefährliche
Austrocknung des Körpers hin. Die Wasseraufnahme
wird gerade in der Höhe nicht vollständig
durch das Durstgefühl geregelt. Deshalb muß
unbedingt genügend (auch über den Durst!)
getrunken und gleichzeitig der Mineralsalzverlust
ausgeglichen werden! Bereits sehr geringe Verluste
an Körperflüssigkeit bewirken nämlich
deutliche Leistungseinbußen und erhöhen
die Thrombose- und Erfrierungsgefahr. Dies ist eine
der wichtigsten Regeln beim Trekking oder Expeditionsbergsteigen!
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Einfluß
von Wind und Kleidung
Der Einfluß des Windes spielt eine sehr wichtige
Rolle für den Abfall der Körpertemperatur
bzw. für eine Unterkühlung: Der sog. "Wind-Chill-Effekt"
kann bereits bei geringen Windgeschwindigkeiten
zu einer Verdoppelung des Wärmeverlustes gegenüber
Windstille führen, z.B. bei nur 8 km/Stunde
und 10 Grad Celsius Außentemperatur. Auch
verschiedene Bekleidung hat unterschiedliche Einflüsse:
Bei 10 Grad Celsius und 2 Stunden Einwirkzeit kommt
es bei Isolation nur mit Baumwolle zu einem Abfall
der Körpertemperatur auf 25 Grad Celsius, bei
der Kombination von Baumwolle mit einer reflektierenden
Alufolie auf 27 Grad Celsius und mit modernen Bekleidungsmaterialien
wie z.B. Goretex auf 32 Grad Celsius.
Bei Kleidung und Schuhen hat sich in den letzten
Jahren die Ausrüstung für den Bergsteiger
entscheidend verbessert. Gerade beim Bergsteigen
in der Kälte (Hochtouren, Skitouren, Expeditionen)
hat sich moderne Sportunterwäsche aus dem Kunststoffmaterial
Polypropylen voll durchgesetzt, da die Feuchtigkeit
von der Haut weg nach außen transportiert
wird. Faserpelz für die "mittlere Bekleidungsetage"
ist ebenfalls leicht, warm, schnelltrocknend, praktisch
und bequem zu tragen. Als äußere Schicht
sind Goretex- oder ähnliche Materialien mit
ihren wind- und wasserdichten Membranen, die ebenfalls
bis zu einem gewissen Grad Feuchtigkeit nach außen
transportieren, nicht mehr wegzudenken. All diese
Materialien haben die Kleidung des Bergsteigers
innerhalb von wenigen Jahren revolutioniert und
das Risiko von Kälteschäden deutlich gesenkt,
da sie zudem auch als Handschuhe, Kopfbedeckung
und Fußbekleidung erhältlich sind.
Zu dieser Palette gehören auch die Plastik-
(und Goretex-) Bergschuhe mit ihren unempfindlichen
Kunststoffmaterialien, die nicht mehr - wie nasse
Lederstiefel - gefrieren können. Modernes Isolationsmaterial
bei den Innenschuhen, Detailverbesserungen wie elastischere
Kunststoffe oder integrierte Gamaschen haben die
Erfrierungsgefahr gerade beim Winter- oder Höhenbergsteigen
stark herabgesetzt. Trotzdem können auch heute
mit bester Ausrüstung immer noch schwere Kälteschäden
auftreten, wenn Unkenntnis, Nachlässigkeit
oder Fehlentscheidungen vorliegen.
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Dr.
Walter Treibel, Copyright © BExMed
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