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Schneefahnen am Gipfel
Foto:Alpin Club Sachsen Anhalt

19. Tag: Freitag, 04. Mai 2001

Abstieg im Schneetreiben!

Seit mehreren Tagen haben wir das gleiche Bild am Berg. Heftige Schnee- und Graupelschauer, wolkenverhangener Himmel und schlechte Sicht. Wenn überhaupt reißt der Blick zum Gipfel am späten Abend und in der Nacht auf und der freie Himmel sorgt zugleich für kalte Nächte um minus 15 Grad. Nach der Sparbesetzung des Basislagers in den letzten Tagen stiegen heute gleich fünf Bergsteiger aus den Hochlagern ab, um sich die nächsten Tage zu erholen. Zwei Leute aus Lager 2, drei Leute aus Lager 1. Ihre Haut ist trotz Sonnenschutzcreme Faktor 50 von der intensiven Strahlung verbrannt. Die Gesichter sind von den letzen Tagen gezeichnet, alle wirken erschöpft, aber zufrieden über die erreichte Höhe von knapp 7000 Metern. Dabei hat sich der vielbesprochene Weg vom Lager 1 durch den Eisbruch als viel schwieriger herausgestellt, als erwartet. Eberhard Mach, mit 18 Jahren das jüngste Mitglied der Mannschaft und einer der Erbauer des zweiten Höhenlagers: Jeder Schritt dort oben ist eine Tortur. Ich hatte auf keinem Normalweg der Alpenviertausender schwierigere Kletterwege als auf dem Weg zu Camp 2. Das Geschwätz vom "leichten Achttausender„ kann ich nicht nachvollziehen.„ Klare Worte an die Adresse derjenigen, die den Cho Oyu nur aus dem Buch kennen, aber mit ihrer Meinung vorneweg sind. Am Nachmittag bekommt unser Arzt Tilo Marschke unerwarteten Besuch aus dem nebenan liegenden Basislager von Amical Alpin. Zwei Bergsteiger klagen über Unwohlsein und Schmerzen in der Brust. Aber nach einer eingehenden Untersuchung gibt Marschke Entwarnung, die Lunge ist bei beiden in Ordnung. Diese "Sprechstunde„ wird sich in den nächsten Tagen noch wiederholen, es hat sich offenbar herumgesprochen, dass wir als eine der ganz wenigen Expeditionen (die kommerziellen eingeschlossen) einen Arzt dabei haben. Am Abend sitzen dann alle froh beisammen im Gemeinschaftszelt und bereichten von ihren Erfahrungen und Eindrücken und freuen sich auf den morgigen Ruhetag. Am Sonnabend startet zudem in Magdeburg eine fünfköpfige Trekkinggruppe, die nach einem Kulturaufenthalt in und um die tibetische Hauptstadt Lhasa per Jeep in die Cho Oyu-Region verlegt. Von dort ist ein Trek durch die Hochtäler des Himalaya geplant, ein Besuch im Basislager inklusive. Was sich Expeditionsleiter Holger Kloß für diesen Tag einfallen lassen hat, verriet er auch auf besondere Nachfrage hin nicht. Also ˆ Überraschung!


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