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Zu viert im Zelt
Foto:Alpin Club Sachsen Anhalt

25. Tag: Donnerstag, 10. Mai 2001

Tibetische Gipfelträume

Seit zwei Tagen harrren vier Bergsteiger unserer Expedition in der sogenannten Todeszone oberhalb von 7000 Metern aus und warten auf ihre Gipfelchance. Das Wetter hat beim ersten großen Anlauf am Mittwoch nicht mitgespielt. Scharfer Wind und dichtes Schneetreiben machten es denn ersten beiden in Lager drei (7400 m) unmöglich, am frühen Morgen Richtung Gipfel aufzubrechen. Der zweite Versuch einen Tag später am Donnerstagmorgen sieht zunächst vielversprechend aus. Am Tage waren zwei weitere Alpinisten in das Lager drei unterhalb des Gelben Bandes aufgestiegen. Nach einer kurzen Nacht bot sich die zweite Chance für den Gipfel. Während über den mächtigen Gletschern unterhalb des Bergfußes noch dichter Nebel lag, war die Bergspitze frei. Zu viert brachen unsere Alpinisten im Morgengrauen auf (Uwe Lindenau, Ebi Mach, Andreas Herlt, Tilo Marschke) zuvor hatten sie sich aufgrund der tiefen Minusgrade und schlechter Sicht gegen einen Marschbeginn in der Nacht entschieden. Schnell bildeten sich wegen der unterschiedlichen Geschwindigkeiten zwei Gruppen. Die hintere entschloß sich kurz nach Überschreitung des sogenannten Gelben Bandes ˆ einer quer durch den Berg verlaufenden, gut sichtbaren Gesteinsformation ˆ in einer Höhe von etwa 7500 Metern umzukehren. Das vordere Paar (Uwe Lindenau und Ebi Mach) erreichte noch das Schneefeld vor dem Übergang zum Gipfelplateau, ehe sich die beiden nach bereits mehrstündigem Marsch auf einer Höhe von etwa 7800 Metern ebenfalls zum Umdrehen entschlossen ˆ die Zeit reichte ihrer Ansicht nach für eine sichere Rückkehr vor dem Dunkelwerden nicht aus. Wer ohne zusätzlichen Flaschensauerstoff unterwegs ist, muß ab Lager drei mit acht bis zwölf Stunden für den Anstieg der letzten 800 Höhenmeter zum Gipfelplateau einplanen, der Rhythmus beim Gehen beträgt dabei im Idealfall pro Schritt einen Atemzug, viele benötigen gar zwei Atemzüge pro Schritt, unterbrochen von längeren Standpausen. Und bei allem Willen zum Erreichen der Bergspitze muß der ebenso anstrengende Rückweg mit einkalkuliert sein. Unsere beiden haben sich trotz allem Ehrgeiz also für die sichere Variante entschieden.


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