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An der Grenze zu China
Foto:Alpin Club Sachsen Anhalt

3. Tag: Mittwoch, 18. April 2001

Good Day, Mrs Hawley!

Es ist eine über die Jahre immer fester gewachsene Tradition, daß Expeditionen vor ihrem Aufbruch in die Berge in Kathmandu Besuch von einer älteren Dame bekommen. Mrs Elizabeth Hawley ist so etwas wie die Chronistin und oberste Kontrollinstanz für alle 8000er-Expeeditionen in Nepal. („Sie waren also auf dem Gipfel! Beschreiben sie mir bitte das Gipfelplateau.)
Seit über zwanzig Jahren betreibt sie diese Erhebungen und manch einer staunt, daß die Frau oftmals besser als man selbst über sich informiert ist und keiner kennt die Berge, insbesondere die topografischen Besonderheiten der Gipfel besser als sie). Das Erstaunlichste dabei ist, das die Frau auf keinem Berg selbst gewesen ist.
Frau Hawley hat sich also promt am Tag unserer Ankunft angemeldet und einen Tag später biegt ein babyblauer VW Käfer auf den Hof der Lodge – die Queen des Himalaya bittet zur Audienz. „Wieviel Personen sind sie, wie alt, welche Route wollen sie nehmen?“ Fragen über Fragen. Routine eben. „Gab es bei der Vorbereitung Besonderheiten?“ – Ja, wir haben in einer Sauerstoffkammer trainiert! „Ah, in einer Druckkammer!“ – Nein, Mrs Hawley, eine drucklose...“ Das ist auch für die Queen ziemlich neu. Schade das unser Trainer Ulrich Fuchs nicht dabei sein kann, es hätte sicherlich ein zufriedenes Schmunzeln um seinen Mund gespielt.
Dann packt die Queen mit ihren Neuigkeiten aus. In diesem Jahr sind 16 Expeditionen am Berg (von einer erfolgreichen schweizerischen mit acht Leuten am Gipfel hatten wir schon im Flieger gehört), drei davon allerdings als one-man-shows, nur im Everest-Basislager sind mit 17 mehr. Insgesamt wollen es 88 Expeditionen in diesem Frühjahr an den 8000ern Nepals versuchen (ohne Shisha Pangma und denen des Karakorum). Wir versprechen, ihr über unser Saellitentelefon über aktuellste Entwicklungen auf dem laufenden zu halten und dann ist die Audienz beendet. Good luck, germans! Bye.
Den Rest des Tages verbringen wir mit Sightseeing, Einkäufen, Tonnen umpacken – alles muß gut bedacht sein, denn morgen verabschieden wir uns für vier Wochen aus der Zivilisation. Am Abend versammeln wir uns gemeinschaftlich auf der Dachterrasse unserer Lodge, mit Blick über das nächtliche Kathmandu, zu einem letzten kannibalischen Hühnerschmaus.


weiter zum nächsten Tag  
 
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