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Basislager
Foto:Alpin Club Sachsen
Anhalt |
31.
Tag: Mittwoch, 16. Mai 2001
Selbstlose Rettungsaktion auf 7000 Metern
Wie
viel Glueck kann oder muss ein Bergsteiger haben? Eigentlich
sollte das besteigen von Bergen, egal welcher Hoehe, nie
vom Glueck sondern nur von der Erfahrung und dem koennen
des Bergsteigers abhaengen. So manch ein Bergsteiger, brauch
aber auch Glueck, erstrecht wenn er sich auf einer Hoehe
von 7000 Metern befindet. So geschehen, gestern am Cho Oyu.
Waehren unsere drei Alpin-Club-Mitglieder wie geplant heute,
bei optimalen Wetter, aufgestiegen, so haette der Tag ein
tragisches Ende nehmen koennen. Wie schon am Vortag zwei
Stunden lang, plagte sich ein Gleitschirmflieger einer anderen
Expedition ( nicht Mario oder Peter ) damit, bei relativ
starkem Wind, seinen Gleitschirm aufzuspannen, um von Lager
2 aus in Richtung Basislager zu fliegen. Welch Glueck das
da gerade unsere drei Bergsteiger aus ihren Zelten krochen
um ihren Weg in Richtung Gipfel fortzusetzen. Mit der Bitte
ihm doch beim Aufspannen des Gleitschirms zu helfen, wandte
sich der deutsche Bergsteiger und Paragleiter an die Mitglieder
unserer Expedition. So fesselte er auch die drei bis er
endlich nach einer Stunde abhob. Begeistert von der Leichtigkeit
durch die Luft zu schweben, verfolgten Tilo, Ebi und Uwe
den Weg des Gleitschirmfliegers. Doch ihre Blicke sollten
sie nicht weit schweifen lassen muessen. Nach ca. 150 Metern
gab es ein Problem mit dem Prototypen des Gleitschirmfliegerlehrers
und er fiel vom Himmel herunter. Glueck im Unglueck das
er nicht soweit vom Boden entfernt war, Pech jedoch das
es auf Gletschern eben ab und zu auch Spalten gibt. Und
so geschah es auch, das er in eine solche samt seinem Gleitschirm
hinein viel. Unser Team, sah dies und informierte sofort
unser Basislager per Funk. Ein deutscher Paragleiter sei
in eine Spalte abgestuerzt. Seine Expeditionsmannschaft
solle sofort ein Rettungsteam heraufschicken um ihn zu bergen.
Einerseits hatten unsere Alpinisten kein Seil fuer die Bergung
dabei, befand sich der Verunglueckte mehr als hundert Meter
unterhalb des Lagers und dann wollten unsere drei eigentlich
ihren Aufstieg fortsetzen. Nach Absprache mit dem Expeditionsleiter
der anderen Expedition und der Klaerung auf welchen Lagern
wer zur Rettung bereit stuende, stand fest, nur unser Team
auf Lager 2 stand zur Rettung zur Verfuegung. Zwar boten
sich spontan auch andere Expeditionen zur Rettung an, Spanier
wollten am Folgetag fuer die Bergung aufsteigen, Koreaner
boten ihren Sauerstoff auf Lager 2 an, Amerikaner kommentierten
auf die Anfrage jedoch, das ihnen die Probleme anderer Expeditionen
nichts angehen. Schnell begaben sich die drei auf den Weg
direkt zum Verunglueckten. Dieser hing mehrere Meter unterhalb
des Spaltenrandes fest. Er war ansprechbar, hatte jedoch
erkennbare Kopfverletzungen. Ein Seil musste her. Einige
Meter unterhalb der Unglueckstelle befand sich eine Steilstufe
an der Fixseile, diese werden zum Aufstieg an steilen Stellen
zur Unterstuetzung benutzt, angebracht waren. Schnell wurde
eines dieser Seile entfernt und zur Rettung des Verletzten
eingesetzt. Mittlerweile kamen auch zwei Australier zur
Hilfe, die sich gerade in der Naehe der Unfallstelle im
Aufstieg befanden. Die Bergung sollte den fuenf Alpinisten
jedoch nicht leicht gemacht werden. Am Spaltenrand befand
sich einegrosse, ueberhaengende Waechte, eine Schneeverwehung
die ueber den Rand hinausragt, in die sich das Seil tief
einschnitt. Auch das Abseilen eines Helfers zum Verletzten
war dadurch nicht moeglich. Nach ueber drei Stunden erreichte
uns die Nachricht per Funk, der Verletzte sei geborgen,
muesse jedoch transportiert werden. Unmoeglich ihn noch
am selben Tag von der Ungluecksstelle ins tiefere Lager
eins zu transportieren. Erfahrungsgemaess werden fuer solche
Rettungsaktionen mehr als 10 Personen und bis zu zwei Tagen
benoetigt. Es bestand also nur die Moeglichkeit ihn mit
den fuenf Personen bis zum Lager 2 zu schaffen und ihn am
Folgetag mit einer aus Teilnehmern mehreren Expeditionen
zusammengestellten Rettungsmannschaft zu bergen. Glueck
fuer unseren kuehnen Gleitschirmflieger, das bei unserem
Team, Tilo unserer Expeditionsarzt dabei war und eine Erstversorgung
vornehmen konnte. Dann kam die Erleichterung. Per Funk meldete
Uwe, das der Verletzte bereits die letzten Meter zu seinem
Zelt in Lager 2, alleine zuruecklegte. Alle noch am Berg
befindlichen Expeditionen atmeten auf. Nach Informationen
unseres Arztes, wird der leicht Verletzte, gerissene Lippe
und eventuellem Nasenbeinbruch, am naechsten Tag in Begleitung
eines von Lager 1 aufgestiegenen Sherpas den Abstieg, diesmal
ohne Gleitschirm, antreten. Der mutige Flieger war am Vortag
ohne Genehmigung seines Expeditionsleiter im Lager 2 verblieben,
der Rest seiner Mannschaft befand sich nach Beendigung aller
Gipfelversuche schon im Basislager, und hatte versucht bei
sehr schlechten Wetterbedingungen seinen Flug ins Tal anzutreten.
Glueck gehabt Kamerad! Ohne unsere drei Alpinisten auf Lager
2, waehre es wohl der letzte Flug gewesen. Schade nur, das
unsere drei sich bei der Rettungsaktion so verausgabt haben,
das wohl ein Gipfelversuch fuer sie nicht mehr in Frage
kommt. Was fuer Ebi, Uwe und Tilo der Gipfel haette sein
koennen, und damit auch ein Erfolg unserer gesamten Expedition,
war fuer einen anderen Bergsteiger sein Leben. Er wird es
ihnen hoffentlich gebuehrend danken. In der Zwischenzeit
werden im Basislager die Stunden bis zur Ankunft in Deutschland
gezaehlt. Es sind nur noch knapp 200. Da taeglich Expeditionen
aus dem internationalen Basislager ihren Heimweg antreten
und den handelnden Tibetern somit die Kundschaft davonlaeuft,
versammeln sich immer mehr bei uns im Lager um Fossilien,
Ketten, Ringe, Bier und ein weltweit sehr verbreitetes,
koffeinhaltiges Limonadengetraenk anzubieten. Der ein oder
andere versucht sich die Zeit mit dem hoehren mitgebrachter
Musik zu vertreiben. Auch auf diesem Gebiet hat unser Basislager
ein breites Angebot diverser Stilrichtungen im Angebot.
Eine Hitliste ausgewaehlter Interpreten ist im untenstehenden
Link
einsehbar.
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